Der neue Mensch – Rogers Blick in die Zukunft

Rogers Meinung ist, daß neue Werte, ausgelebt durch den neuen Menschen inmitten einer rigiden Gesellschaft, die revolutionärste Tat eines Menschen überhaupt sei.

Diese revolutionäre Tat, diese stille Revolution, kommend aus dem Inneren des neu­en Menschen, läßt sich nicht so einfach unterdrücken und zunichte machen. Zwar könne die Gesellschaft versuchen, diese Re­volution zu unterdrücken und zu verlang­samen, aber dies käme lediglich einem Aufschub gleich. Denn „ein Gärungsprozeß ist in Gang gesetzt worden. Es wird schwierig sein, diesen Geist wieder in die Fla­sche zurückzu­bringen.“ (Rogers, C. / Rosenberg, R.: Die Person als Mittelpunkt der Wirklichkeit 1980; Seite 215)

Wenn sich dieser neue Mensch nun eine Chance erarbeiten oder eine zugestanden be­kommen würde, mehr Einfluß auf die Gestaltung der Gesellschaft zu gewinnen, wie würde sich diese dann entwickeln? Wie würde sie aussehen?

Rogers faßt die Antwort auf diesen Fragen zu einem personenzentrierten Szenarium als Gesamtbild (s. o. Seite 216 / Vergleiche auch Rogers, C.: Der neue Mensch 1981; Seite 173ff – Hier beschreibt Rogers das ganze bisher beschrie­bene Szenarium noch einmal in etwas anderen, in für die Öffentlichkeit bestimmten posi­tiveren Wor­ten und Gedankengängen.) der Zukunft zusammen, das ich an dieser Stelle komplett überneh­men möchte:

„Dieser Mensch würde nicht Utopia bringen, er würde Fehler machen und ginge stel­lenweise zu weit. Aber er würde Veränderungen fördern, die ich programmatisch noch einmal zusammenfassen will:

  • Offenheit in allen interpersonalen Beziehungen – in der Familie, bei der Arbeit, in Führungspositionen.
  • Erforschung des Selbst und Entwicklung eines ganzheitlichen Menschen, Einheit von Leib und Geist.
  • Wertschätzung des Einzelnen aufgrund dessen, was er ist, ohne Rücksicht auf Ge­schlecht, Rasse, Status, oder materiellen Besitz.
  • Dem Menschen angemessene Gruppierungen in unseren Gemeinschaften, unseren Bildungsinstitutionen, unseren Produktionsstätten.
  • Eine respektvolle, ausgeglichene Haltung der Natur gegenüber.
  • Streben nach materiellen Gütern nur dann, wenn sie die persönliche Lebensquali­tät erhöhen.
  • Eine gerechte Verteilung materieller Güter.
  • Eine Gesellschaft mit einem Minimum an Strukturen, in der die menschlichen Be­dürfnisse vor jeder Struktur den Vorrang haben.
  • Führung als eine vorübergehende zeitweilige Funktion, gegründet auf die Fähig­keit, ein spezifisches gesellschaftliches Bedürfnis zu befriedigen.
  • Fürsorge für jene, die Hilfe brauchen.
  • Ein menschlicheres Wissenschaftsverständnis in allen Phasen – in der kreativen Pha­se, beim Überprüfen der Hypothese, bei der Bewertung der Menschlichkeit ih­rer Anwendung.
  • Kreativität jeder Art – beim Denken und Forschen, in den sozialen Beziehungen, in der Kunst, Architektur, Stadt- und Regionalplanung, Wissenschaft.

Für mich hat dies nichts Erschreckendes sondern, im Gegenteil, etwas Aufregendes. Unsere Kul­tur steht vielleicht trotz der düsteren Gegenwart an der Schwelle zu ei­nem großen evo­lutionär-revolutionären Sprung. Ich sage nur von ganzem Herzen:
Die Macht dem neuen Menschen und der Revolution, die er in sich trägt.“

Was bleibt? – Der Schluss mitsamt einer persönlichen Reflexion.