Die humanistischen Wurzeln und die Einflüsse auf Rogers

Die humanistische Psychologie wird oft neben der Psychoanalyse und dem Behavio­rismus als „Dritte Kraft“ in der Psychologie bezeichnet.

Diese humanistischen Therapien werden nicht etwa durch eine gleichartige Theorie therapeutischer Ansätze zusammengehalten. Vielmehr gleichen sie sich eher durch ein gleichartiges Menschenbild, welches die Ausgangslage ihrer diversen und nur teilweise auch übereinstimmenden Ansätze therapeutischer Arbeit bildet.

1962 erst gründeten u. a. Charlotte Bühler, Abraham Maslow und Carl Rogers die „Gesellschaft für Humanistische Psychologie“. Sie sind auch die Hauptvertreter die­ser Richtung.

Als nicht zu unterschätzende Vorläufer dieser Bewegung gelten allerdings auch eine Reihe von Tiefenpsychologen, wie z. B. Alfred Adler, Viktor Frankl, Erich Fromm, Karen Horney und Wilhelm Reich.

Zu den philosophischen Wurzeln (Kriz, J.: Grundkonzepte der Psychotherapie 1989) zählt man:

  • den Existenzialismus mit dessen Vertretern Martin Buber, Sören Kirkegaard, Fried­rich Nietzsche, Gabriel Marcel und Paul Tillich
  • die Phänomenologie mit Edmund Husserl und Max Scheler
  • den klassischen und sozialistischen Humanismus mit Herder und Marx
  • den Humanismus moderner französischer Prägung (Sartre, Camus und Merlau-Ponty)

Den größten Einfluß auf Rogers Schaffen übten aber ohne Zweifel Martin Buber und Otto Rank (Quitmann, H.: Humanistische Psychologie 1996) aus. Die genannten Denkansätze kann man auch im weiteren Verlauf erkennen, wo ich (ohne sie dabei explizit zu erwähnen) versuchen werde, die hu­manistische Theorie Rogers, also seine Grundannahmen, heraus zu ar­beiten.

Des weiteren macht Rogers in seinen späteren Arbeiten auch darauf aufmerksam, wie groß der Einfluß Lao-tses auf ihn war:
Das taoistische Prinzip des „wu-wei“ besagt nämlich, daß der „ … Vollendete nicht in das Leben der Wesen (eingreift), er erlegt ih­nen nichts auf, sondern er verhilft al­len Wesen zu ihrer Freiheit …: er führt durch seine Einheit auch sie zur Einheit, er macht ihr Wesen und ihre Bestimmung frei, er erlöst Tao in ihnen.“ Denn „ … in das Leben der Dinge eingreifen heißt sie und sich schädigen … Der sich auferlegt, hat die kleine, offenbare Macht; der sich nicht auferlegt, hat die große, heimliche Macht.“ (Rogers,C. / Rosenberg, R.: Die Person als Mittelpunkt der Wirklichkeit 1980; Seite 195 – Rogers be­zieht sich hier auf Buber und Lao-tse)

Rogers Lieblingsspruch, der gleichzeitig alle seine Überzeugungen zusammenfaßt, stammt ebenfalls von Lao-tse. Er wirkt gleichzeitig wie ein Ausspruch der von Ro­gers selbst stammen könnte und lautet:

„Wenn ich Menschen nicht dazwischenfahre, passen sie auf sich selbst auf,
Wenn ich Menschen nicht befehle, verhalten sie sich von selbst richtig.
Wenn ich Menschen nicht predige, werden sie von selbst besser,
Wenn ich mich Menschen nicht aufdränge, werden sie sie selbst.“
(Rogers, C. / Rosenberg, R.: Die Person als Mittelpunkt der Wirklichkeit 1980; Seite 196)

Hier zusammenfassend eine kleine Graphik (Quitmann, H.: Humanistische Psychologie 1996; Seite 175), die sogar so weit geht, dem seinem El­ternhaus entspringe­nden Pietismus mit zu seinen Einflüssen zu zählen, obwohl sich Rogers im Laufe seines Lebens von dieser „Einstellung“ ja vollständig entfernte. („Rückblickend wird mir klar, daß mein Interesse am Gespräch … zum Teil wohl aus meiner früheren Einsamkeit herrührte. Hier gab es einen … Weg, Menschen wirklich nahe zu kommen und vielleicht ein wenig den Hunger nach Kommunikation zu stil­len … .“) (Rogers, C. / Rosenberg, R.: Die Person als Mittelpunkt der Wirklichkeit 1980; Seite 189 )

gtherapie

Ebenfalls den Behavioris­mus zählt der Autor mit hinzu. Eine Ansicht, die nicht von al­len Autoren, die mir be­kannt sind, ge­teilt wird.

Als nächstes geht es um die Persönlichkeitstheorie, als Selbstverwirklichungs-, bzw. Aktualisierungstendenz als universelle formative Tendenz.